Biographie - Klara Helene Jakob

"Klara Helene Jakob, geb. Schultze , wurde am 13. Juni 1901 in Berlin - Neukölln geboren. Sie stammte aus einer gutbürgerlichen Familie. Klara Jacob war evangelischen Glaubens und die Älter von zwei Töchtern, ihrer Schwester hieß Gertrud, geb. 1905.

 

Im Alter von 16 Jahren ging Klara für 2 Jahre als Dienstmädchen in Stellung. Sie heiratete mit 23 Jahren Paul Jacob von Beruf Gürtler. Sie hatten 2 Kinder, ein Mädchen, welches mit zwei Jahren an Diphterie starb und einen gesunden Jungen Namens Walter, welcher am 06.12.1924 zur Welt kam. Das Mädchen allerdings stammte aus einer früheren Liaison.

 

Am 16. Juni 1939 ordnete ein Gericht die Sterilisation von Klara durch Strahlung an, welche dann im Jan. 1940 vollzogen wurde.

Nach Meinung der Ärzte war Klara Schul-und Lebenswissen zu gering. Sie hatte die Schule nur bis zur 2. Klasse besucht. Klara's Mutter soll außerdem an Veitstanz, einer nervlich bedingten Erbkrankheit gelitten haben.

Im Zuge der NS-Rassenhygiene war sie ein klassisches Opfer der T4- Aktion, der sogenannten Krankentötungen. Man unterzog sie zwischen 1937 und 1939 einigen Intelligenztests, in denen sie ein annähernd durchschnittliches Allgemeinwissen zeigte.

Als sie ab Anfang 1940 im evangelischen Krankenhaus Herzberge wegen Angstzuständen  behandelt wurde, schrieb sie einige Postkarten, welche aber durch das Personal zurückgehalten wurden, ihren Empfänger somit nie erreichten. Die Handschrift ist als  durchaus passabel und lesbar zu bezeichnen. Nur wiederholte Sie sich inhaltlich recht oft, aber was sie schrieb, scheint keineswegs wirr, wie es die Ärzte in ihrer Krankenakte beschrieben. Sie bat u.a. mehrfach um Besuch. Zeitweise soll sie apathisch gewesen sein und unter Nierenschmerzen gelitten haben. Eine Nierenerkrankung konnte mit den damaligen Mitteln nicht festgestellt werden.

Der Akte konnte man ebenfalls entnehmen, dass sie sehr wenig zu essen bekommen haben musste. Auch auf den nie abgesandten Postkarten bat sie, dass man ihr etwas zu essen mitbringen sollte.

Dies wurde bei der T4-Aktion durchaus angestrebt, nämlich, dass die Patienten einen frühzeitigen Tod durch erheblichen Nahrungentzug erleiden sollten.

So wurde sie dann im Juli 1940 als lebensunwert eingestuft und vom evangelischen Krankenhaus direkt nach Brandenburg an der Havel verlegt, wo sie 3 Tage später den Tod fand. Eine Urne wurde dem Hinterbliebennen Paul Jacob nicht übersandt.

Sie war eine von ca. 9000 Menschen, die dort in noch nicht einmal einem Jahr den Tod fanden.

Ihr Ehemann erhielt kurz darauf die Sterbeurkunde: „Gestorben am 12. Juli 1940 in Hartheim bei Linz, an Nierenentzündung. Die Ortsangabe Hartheim bei Linz diente der Verschleierung. Ihr Tod wurde Paul Jacob einen Monat später noch einmal bestätigt.

Nachworte:
Eine Recherche über die genauen Umstände des Todes von Klara Jacob begann im Jahr 2007, als ihre Sterbeurkunde von uns wiederaufgefunden wurde. Die erste Spur führte uns nach Hartheim in Österreich. Die angegebene Todesursache erschien uns doch mehr als seltsam. Die umfangreiche Krankenakte konnte von uns (meiner Mutter und mir) dann nach so langer Zeit eingesehen werden und offenbarte uns die Geschehnisse, die doch sehr viel schlimmer waren, als wir es je erahnen konnten. Denn in der Familie wurde äußerst selten und wenn, dann sehr ungern über Klara gesprochen. Es wurde ein Geheimnis daraus gemacht. Wir fragen uns manchmal, warum. Irgendwann stellten wir weitere Nachfragen ein. Oft habe ich es bedauert, meine Oma nie kennengelernt zu haben. Ich war 16 Jahre alt, als mein Opa Paul Jacob 1981 starb. Er lebte bis zum Schluss im selben Haus, in der Silbersteinstr.97. Meine Großtante Gertrud Schmidt, Klara`s Schwester, verstarb wenige Jahre später, 1988 im Alter von 83 Jahren. Zu beiden hatten wir bis zu Ende recht guten Kontakt. Im November 2009 ließen wir dann einen Stolperstein an ihrem letzten Wohnort, Silbersteinstr. 97 verlegen. Ihr Sohn Walter (gest. 2001), mein Vater, erlebte dieses leider nicht mehr. Aber er war ohnehin hart im Nehmen. Er verlor die Mutter, als er 15 war. Opa Paul heiratete danach nicht mehr.

Ich bedanke mich für das mir entgegengebrachte Interesse."

K. Kuhrt


Klara Helene Jacob, *13.6.1901 + 12.7.1940 zuletzt wohnhaft: Silbersteinstraße 97

- Kopie der Sterbeurkunde, mit falschem Sterbeort und falscher Todesursache.
-Kopie, Vorder- und Rückseite einer Postkarte vom 15.2.1940, geschrieben im e.v. Krankenhaus Herzberge, an ihren Sohn Walter (damals 15 Jahre alt), mit der Bitte um Besuch.

-Porträtfoto (von privat) von Klara Jacob, von 1928. Kleines Foto zeigt Paul Jacob, (von privat).
-Foto des Stolpersteins vom Verlegungstag (14. Nov. 2009).
-Biographie mit persönlichen Nachwort.

Quellen: Bundesarchiv und Dr. Astrid Ley (Kuratorin des KZ Sachsenhausen)
Foto: Privatbesitz er Familie (Enkelin)